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Foto: aquapix (Shutterstock)

Lesejahr A 2021

Mk 1,7-11

Am Ende des irdischen Lebens heißt es bei jedem christlichen Begräbnis:

 „Der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat!“,

 diese Zusage wird beim Sarg oder bei der Urne gesprochen.

Dabei geht mir oft durch den Kopf und mein Herz:

Wie hat wohl  der/die Verstorbene sein/ihr Christsein gelebt? - und:

Was muss der Herr wohl bei ihr oder bei ihm „noch vollenden“,

von dem was er „in der Taufe begonnen hat“?

-Oft höre ich im Trauergespräch:  Er/sie war ein tiefgläubiger Mensch,-

was dieses „tiefgläubig“ konkret bedeutet hat im Leben des einzelnen, 

da wird es nach Nachfrage meistens still. -

      Nicht still, sondern zu Recht sehr lebendig ist es am Lebensanfang bei Taufgesprächen (-die zur Zeit nicht stattfinden können-) mit Eltern und Paten, deren Kinder getauft werden sollen:

Da ist meistens eine freudige Aufgeregtheit wahrnehmbar und gerade, -wenn es das erste Kind in der Familie ist -  prägt auch das 1. Taufgespräch eine gewisse wahrnehmbare Unsicherheit: Was will der Pfarrer eigentlich von uns?

Manchmal beginne ich das Gespräch doch recht ungewöhnlich für die Teilnehmer.

 

Um mein Gegenüber mit Eltern und Paten sozusagen etwas aus der Reserve zu locken, beginne ich in der Art:

 „Stellen, sie sich bitte vor, ich komme heute nicht als Pfarrer zu euch, sondern als euer bester Freund. Ich habe  erfahren, das ihr euer Kind taufen lassen wollt und ich, als 'bester Freund', würde euch ganz ungeschminkt  sagen:

'Kinder  taufen', das tut man doch heute nicht mehr! -

Und ich schließe dann meinen Einstieg wieder als Pfarrer und sage dann: 

Was sagt ihr dann eurem Freund?“

Nach einer kurzen Schrecksekunde kommt meistens die Antwort-

und durchaus mit Nachdruck: „Das Taufen gehört doch bei uns dazu!“

Wobei mit „dazugehören“ nach meiner Nachfrage, als erstes die Feier der Erstkommunion genannt ist, wo man ja dann nicht dabei sein könnte,

wenn man nicht getauft ist.

Dann führe ich in Taufgesprächen oft als Beispiel an,  dass Kinder heute eben nicht mehr einfach „dazugehören“, wenn sie in ihrer der Klasse sagen, dass sie am Sonntag in die Kirche gehen oder sogar ministrieren.

 

Ich bin froh und dankbar über das Kirchenjahr:  Heute begehen wir das

„Fest der Taufe des Herrn“  und dann beginnt wieder die  „Zeit im Jahreskreis“.

Ich darf durch das Hören des Wort Gottes, das Mitgehen, und Feiern im Jahreskreis vertiefen, was es heißt als Christ zu leben und „dazuzugehören“.

Die Taufe des Herrn  ist Erinnerung an eigene Taufe:

Denn getauft sein heißt, mit ihm untergetaucht sein und mit ihm gleichgestaltet werden. Getauft-sein meint einen Lebensentwurf, der immer neu an ihm Maß nimmt

Die Taufe soll sich fortsetzen in einem Leben aus dem Glauben.

Es geht um das  Leben und Sterben und Auferstehen mit Ihm.

 

Wenn wir Eucharistie feiern, dann steigen wir nicht mehr in den Jordan hinab, sondern uns ist verheißen, dass  wer an Christus glaubt, Ströme des lebendigen Wassers empfangen werden. (Joh 7,37)

Wir feiern Eucharistie und erinnern, was bei unserer Taufe gefeiert wurde:

Wir begeben uns in den Strom lebendigen Wassers hinein um neu aus seiner Kraft zu leben. Amen.

Pfr. Herbert Reisinger

 

 

Aktualisiert ( Dienstag, den 12. Januar 2021 um 23:39 Uhr )