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Diesen Spruch haben bestimmt viele von Ihnen schon öfter auf der Zunge oder im Herzen gehabt: Es ist doch wirklich zum Davonlaufen! Dass etwas nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle. Dass ich mich im Moment nicht wie sonst mit Menschen treffen darf, die mir wichtig sind. Dass ich meine Eltern oder Großeltern im Pflegeheim nicht besuchen darf, obwohl es uns beiden so gut täte. Dass Nähe nur irgendwie auf Distanz möglich ist. Dass mein Arbeitsplatz bedroht ist. Die Liste ließe sich in dieser Corona-Krise lange fortsetzen.

Es ist zum Davonlaufen! Das mögen auch die beiden Jünger gedacht haben, als sie sich am Ostertag auf den Weg gemacht haben. Bloß weg aus Jerusalem! Raus aus dem Ort der Katastrophe, nur irgendwie Abstand gewinnen, in der Hoffnung, dass sich im Gehen und im Reden manches klärt.

Ich kann mir richtig vorstellen, wie die beiden unterwegs sind. Wie mit Scheuklappen, ins Gespräch vertieft, mit schnellen Schritten, fast wie auf der Flucht.


Und dann kommt ein Dritter hinzu. Ich weiß nicht, ob sich die Jünger darüber gefreut haben. Wenn ich in ein ernstes Gespräch vertieft und eh schon völlig durcheinander bin, dann ist mir das unangenehm, wenn ein Fremder dazukommt, weil ich mich gestört fühle. Aber der Fremde stellt die richtigen Fragen. Zurückhaltend und behutsam. Und er hört zu. Die Jünger erzählen, wer Jesus für sie war, was sie mit ihm erlebt haben und wie ihre Hoffnung, die sie auf ihn gesetzt hatten, mit ihm am Karfreitag gestorben ist. Und seit dem Morgen neues Durcheinander: Das Grab ist leer, der Leichnam weg, und die Frauen erzählen irgendwas von Engeln und Auferstehung. Kann man ihnen glauben oder ist das nur Geschwätz? Schließlich haben sie Jesus selbst ja nicht gesehen! Vielleicht ist für die Jünger auch diese Ungewissheit zum Davonlaufen!

Aber Jesus erklärt ihnen ganz geduldig noch einmal, was sie eigentlich schon wissen, aber noch nicht glauben können. Er richtet ihre trägen Herzen auf und sie spüren: Dieser Fremde tut uns gut. Wie schön wäre es, wenn er noch bei uns bliebe. Sie essen miteinander. Und im Lobpreis und im Brotbrechen gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen, wer die ganze Zeit mit ihnen unterwegs war: Der auferstandene Herr.

Dieses Erkennen dauert nur einen Augenblick. Und so wie Maria Magdalena den Auferstandenen nicht festhalten kann, so entzieht sich auch Jesus wieder. Aber das scheint nicht mehr wichtig zu sein: Die Jünger sind dem Auferstandenen begegnet, und das genügt. Sie sind neu in Bewegung gekommen, auch in ihrem Herzen, und mit dieser Lebendigkeit machen sie sich auf den Heimweg. Und sie erkennen auch: in unserem Davonlaufen war er dabei.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

ja, manchmal ist das Leben zum Davonlaufen! Manchmal möchte oder kann ich nicht rechts und links schauen und bin gefangen in dem, was mich beschäftigt. Aber die Emmausgeschichte schenkt mir Hoffnung: Bestimmt geht unerkannt schon einer mit. Einer, der auch auf Wegen bei mir bleibt, die planlos erscheinen mögen. Einer, der mich erzählen lässt, was gerade so zum Davonlaufen ist. Einer, der zuhören kann. Einer, der die richtigen Fragen stellt. Einer, der geduldig noch einmal erklärt, was ich vielleicht im Kopf schon weiß und im Herzen im Normalfall auch glaube, was sich jetzt in der Krise aber noch einmal neu als glaub-würdig erweisen muss. Einer, der mein Herz neu in Bewegung bringt. Einer, der sich zu erkennen gibt in kleinen Zeichen. Das genügt.

Um die Emmausgeschichte „nachklingen“ zu lassen, um nachzuspüren wo er in unseren eigenen Dunkelheiten und Schwierigkeiten des Lebens mit uns geht, wo er uns begleitet, er „bei uns“ ist auch wenn wir davonlaufen und unser Herz zum Brennen bringt und zugleich als (Abend-) Gebet um den für Sie ganz persönlich immer wieder spürbaren Beistand kann dieses Lied ein Impuls sein:

 

„1. Bleib bei uns, Herr, die Sonne gehet nieder,

in dieser Nacht sei du uns Trost und Licht.

Bleib bei uns, Herr, du Hoffnung, Weg und Leben.

Lass du uns nicht allein, Herr Jesu Christ.

 

2. Bleib bei uns, Herr, der Abend kehret wieder,

ein Tag voll Müh und Plag hat sich geneigt.

Bleib bei uns, Herr, die Nacht senkt sich hernieder.

Lass leuchten über uns dein Angesicht.

 

3. Bleib bei uns, Herr, im Dunkel unsrer Sorgen.

Du bist das Licht, das niemals mehr erlischt.

Bleib bei uns, Herr, bei dir sind wir geborgen.

Führ uns durch Dunkel, bis der Tag anbricht.“

 

(Gotteslob Nr. 94; Text: 1. Str.: Franz – Josef Rahe, 2. u. 3. Str.: Paul Ringseisen,

  M u. S: William Henry Monk 1861).

 

 

MMag.a Bernadette Schwarz,

Kandidatin der Marienschwestern vom Karmel, Klein - Erla

Aktualisiert ( Donnerstag, den 23. April 2020 um 14:58 Uhr )