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Liebe Mitglaubende, Mithoffende und Mitvertrauende!

 

Gründonnerstag 2020 - Woran denken Sie, wenn Sie Gründonnerstag hören?

Fußwaschung, Einsetzung der Eucharistie, Ölberg oder ein Erlebnis, das Ihnen von diesem Tag in Erinnerung ist?

 







Darf ich Sie einladen mit mir jetzt hinzuschauen auf die Szene im Abendmahlsaal: 

Der Evangelist Johannes berichtet uns: Jesus, der Herr und Meister, wäscht seinen Jüngern die Füße. Zu Jesu Zeiten war das ein Sklavendienst. Ich kann die Entrüstung von Petrus gut verstehen: „DU! Mein Meister! Du willst mir, Petrus, die Füße waschen? Unmöglich!“ Und Jesus macht ihn aufmerksam: „Wenn du mit mir in Gemeinschaft bleiben möchtest, dann lass das an dir geschehen!“ Wie wird es Petrus gegangen sein?

Was könnte uns/mir Jesus heute damit ganz konkret sagen? Möchte Jesus, dass ich meine Autorität aufgebe und „Sklavendienste“ mache, mich ausnützen lasse von anderen, mich total verausgabe. Mutter Theresa hat am Anfang ihrer Tätigkeit bei den Armen gemeint, sie müsse hungern und genau so arm leben wie die Ärmsten. Da sagte ihr eines Tages eine Ärztin: „Wollen sie den Menschen helfen oder mit ihnen sterben?“

Darf ich meine Autorität als Oberin, Vater, Mutter, Lehrerin, Pfarrer …. aufgeben? Eine sehr heikle Sache, oft eine Gratwanderung: Was muss ICH verantworten? Welche Verantwortung darf ich abgeben? Wo darf ich Mitverantwortung einfordern? Wo gilt es, zu ermutigen, Verantwortung auf sich zu nehmen?

Jesus bleibt der Meister auch nach der Fußwaschung. Wenn ich mit ihm in Gemeinschaft bleiben möchte, muss ich lernen, aus seiner Grundhaltung heraus zu leben. Was ist diese Grundhaltung Jesu? Das erste: wir sind alle Brüder und Schwestern. Das bedeutet Achtung, Respekt, Wertschätzung vor jedem! Das bedeutet bereit sein zum Dienst am anderen, bereit sein, ihm so zu begegnen, dass es ihm guttut. Das ist nicht leicht Vorort – in meiner Gemeinschaft, wo ich jetzt bin, immer aus dieser Haltung heraus zu leben oder an dem Arbeitsplatz, an dem ich stehe. Immer wieder erfahre ich, das überschreitet meine Grenzen.

 

Jesus wusste das. Markus, Matthäus und Lukas berichten uns davon, dass er an diesem Abend als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart auch die Eucharistie einsetzt.

Jesus spürt und kennt unsere Grenzen. Er weiß, wir brauchen IHN, wir brauchen seine Gegenwart, seine Liebe. „Bleibt in meiner Liebe!“ ist seine Empfehlung! Und er schenkt uns dazu dieses besondere Zeichen – die Eucharistie und verspricht uns: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“

 

Gründonnerstag 2020

Kommunionempfang ist in der Coronakrise für die meisten von uns nicht möglich. Wir können zwar im Radio, Fernsehen…. mitfeiern oder in der Familie selber eine Feier machen, aber wir können an keiner Eucharistiefeier in der Kirche teilnehmen. Das ist schmerzlich!

 

Auf das letzte Abendmahl folgt der Gang auf den Ölberg

Jesus spürt seinen nahen Tod! Er hat Angst! Er muss ringen, dass ihm die Blutstropfen aus allen Poren kommen… und er ringt sich durch zum „JA VATER! Dein Wille geschehe!“

Auch wir tun uns schwer, die jetzige Situation mit der Corona-Virus-Krise zu verstehen, wie überhaupt so Vieles, was Gott zulässt in unserem Leben, auf dieser Erde ----

Vielleicht kann uns der Blick auf Jesus am Ölberg ein wenig helfen. Er sehnt sich nach menschlicher Nähe. Seine Bitte: „Bleibet hier und wachet mit mir!“

Auch uns gilt diese Einladung! Suchen wir einen Ort der Stille, wo wir bei ihm, er bei uns ankommen kann.

Legen wir unsere Angst in seine Angst, unseren zaghaften Versuch Ja zu sagen zu dem, was wir nicht verstehen, was uns schmerzt, wovor uns graut ----

 

Vielleicht ist es uns geschenkt, seine aufrichtende und stärkende Nähe zu erahnen.

Im Gebet mit Ihnen verbunden

Sr. Rosa Wieser

Marienschwester, Klein Erla

Aktualisiert ( Mittwoch, den 08. April 2020 um 10:55 Uhr )